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Gebäude & Technik
Hinter den Türen des Empfangsgebäudes
Um 1880 entsteht ein Haus zum Ankommen, Warten, Arbeiten und Wohnen – und es verändert sich mit dem Bahnhof.
Zwei Gebäude, zwei Epochen
Das heute erhaltene Empfangsgebäude ist der zweite Bau. Sein Vorgänger gehörte zur Station von 1863 und wurde 1877 abgebrochen. Die Inbetriebnahme des Neubaus wird nach aktuellem Forschungsstand gegen Ende 1879 vermutet. Die älteste bisher bekannte Ansichtszeichnung stammt vom Februar 1880. Unsere digitale Rekonstruktion zeigt den Stand um 1880.
Viele Aufgaben unter einem Dach
Hinter der Fassade lagen öffentliche Räume für Reisende, Räume für den Bahnbetrieb und die Bewirtung. Die Grundrisspläne von 1880 unterscheiden unter anderem Fahrkarten- und Gepäckräume, Dienstzimmer sowie Wartesäle verschiedener Klassen. Das Haus verband den sichtbaren Reisebetrieb mit der Arbeit hinter den Kulissen.
Warten und einkehren
Zur Reise gehörten der Aufenthalt im Wartesaal und die Bahnhofsgaststätte. Später wurde auch deren Biergarten erweitert. Eine historische Pachtausschreibung kann künftig einen eigenen Einblick in diese Geschichte geben. Ihre genaue Datierung und die frühe Pächterfolge werden noch mit den Unterlagen abgeglichen.
Arbeiten und wohnen
In den Obergeschossen befanden sich Wohnräume für Bahnbedienstete und Lokpersonal. Auch leitendes Personal nutzte das Gebäude für Büros; zeitweise gehörte dazu die Lokleitung. Raumbelegungen änderten sich über die Jahrzehnte. Der Grundriss von 1880 beschreibt daher einen bestimmten historischen Stand, nicht die gesamte Nutzungsgeschichte.
Ein Gebäude wächst weiter
Im Zuge des großen Bahnhofsumbaus und der Bahnsteigunterführung wurde die Überdachung am Hausbahnsteig, Gleis 1, erweitert. Zwischen den 1930er- und 1940er-Jahren kam westseitig ein eingeschossiger Anbau hinzu. Bei seiner Gestaltung wurde die Architektur des Hauptgebäudes aufgegriffen. Dieser bis heute vorhandene Anbau gehörte noch nicht zum ursprünglichen Bau um 1880.
Was die Rekonstruktion zeigt
Unser Modell orientiert sich am historischen Bauzustand und den überlieferten Plänen. Spätere Erweiterungen dürfen deshalb nicht in die Darstellung von 1880 hineinrutschen. Farben, Materialoberflächen und nicht belegte Einrichtungsdetails bleiben eine Annäherung; ein Innenraumbild soll erst auf Grundlage der passenden Quellen entstehen.
Weiterlesen: Die Räume im Plan von 1880
Der Weg zur Fahrkarte
Im Erdgeschoss befanden sich Räume für Gepäck und Fahrkarten, das Zimmer des Stationsvorstandes, das Jourzimmer und das Telegraphenbureau. Alte Bezeichnungen machen diese Welt zunächst fremd. „Billet“ bedeutet Fahrkarte; mit „Bureau“ ist ein Büro gemeint. Wer diese Wörter entschlüsselt, kann die historischen Türbeschriftungen wie einen Wegweiser durch den damaligen Betrieb lesen.
Warten hatte verschiedene Räume
Der Plan unterscheidet Wartesäle nach Wagenklassen. An der Gleisseite lagen ein gemeinsamer Saal für die erste und zweite Klasse sowie ein großer Wartesaal für die dritte Klasse. Zur Ortsseite war ein weiterer Raum als Wartsaal erster Klasse bezeichnet. Zwischen den großen Sälen lag das Büffet. Die Raumaufteilung macht sichtbar, dass eine Bahnreise schon vor dem Einsteigen unterschiedlich organisiert war.
Über den Diensträumen wurde gewohnt
In den oberen Geschossen waren Wohnungen vorgesehen, darunter die des Stationsvorstandes. Andere Räume waren unter anderem dem Stationsdiener und dem Portier zugeordnet. Planbeschriftungen halten auch geänderte Belegungen fest. Ein Grundriss ist deshalb immer ein bestimmter Stand der Planung oder Nutzung – keine zeitlose Beschreibung des Hauses.
Unter dem Bahnhof lag die Versorgung
Im Keller lagen unter anderem Bier-, Wein-, Gemüse- und Eiskeller sowie die Restaurationsküche. Diese wenig sichtbare Ebene gehörte ebenso zum Bahnhof wie die repräsentative Eingangshalle. Unsere Rekonstruktion soll solche Zusammenhänge verständlich machen. Sie zeigt eine Annäherung anhand der Quellen; nicht jede Farbe und jedes Material lässt sich aus den Zeichnungen eindeutig bestimmen.